Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute

Karte mit einer Übersicht der Abwasserreinigungsanlagen

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In der Schweiz wurde die VSA-Plattform „Verfahrenstechnik Mikroverunreinigungen“ eingerichtet. Ziel der Plattform ist es, Informationen über die Verfahrenstechnik zur Entfernung von Mikroverunreinigungen auf kommunalen Abwasserreinigungsanlagen (ARA) zur Verfügung zu stellen und offene Fragen zu klären.

Nachfolgend finden Sie einige Nachrichten von der VSA-Plattform. 

Überprüfung des Reinigungseffekts von Maßnahmen zur Elimination von organischen Spurenstoffen bei Abwasserreinigungsanlagen: Verordnung des UVEK ab 1.12.2016 in Kraft

Kläranlagen, die mit einer zusätzlichen Reinigungsstufe zur Entfernung von organischen Spurenstoffen ausgebaut wurden, müssen laut der Gewässerschutzverordnung der Schweiz (GSchV vom 2. Februar 2016) einen Reinigungseffekt von 80% für organische Spuren­stoffe einhalten. Der Reinigungseffekt wird auf den Zulauf einer Abwasserreinigungsanlage bezogen, d. h. alle Reinigungsstufe, inklusive derjenigen für die Spurenstoffentfernung, müssen zusammen den geforderten Wert erwirken. Dieser Reinigungseffekt wird anhand ausgewählter Substanzen (sogenannte Leitsubstanzen) gemessen. Die Liste der Leitsubstanzen und die Details zur Berechnung des Reinigungseffekts wurden in einer Verordnung des Departments für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) festgelegt (www.uvek.admin.ch), die am 1.12.2016 in Kraft getreten ist. Die UVEK-Verordnung regelt: 12 Leitsubstanzen werden in die Kategorie 1 (sehr gut eliminierbar: Elimination > 80%) und die Kategorie 2 (gut eliminierbar: Elimination 50-80%) eingeteilt:

Kategorie 1:

1.    Amisulprid

2.    Carbamazepin

3.    Citalopram

4.    Clarithromycin

5.    Diclofenac

6.    Hydrochlorothiazid

7.    Metoprolol

8.    Venlafaxin

Kategorie 2:

9.    Benzotriazol

10.  Candesartan

11.  Irbesartan

12.  4-Methylbenzotriazol und 5-Methylbenzotriazol (als Gemisch)

Alle 12 Leitsubstanzen müssen gemessen werden. Die Berechnung des Reinigungseffekts erfolgt dann aufgrund von mindestens sechs der gemessenen Substanzen. Die Anzahl der Substanzen aus Kategorie 1 müssen zu der Anzahl an Substanzen aus Kategorie 2 im Verhältnis zwei zu eins vertreten sein. Der Reinigungseffekt wird anschließend als Mittelwert der prozentualen Eliminationen aller ausgewählten Leitsubstanzen berechnet. Der geforderte Reinigungseffekt wurde erzielt, wenn dieser Mittelwert mindestens 80% beträgt.

Die GSchV regelt hingegen: Der Reinigungseffekt für organische Spurenstoffe muss eine Marge von größer gleich 80% einhalten. Die Anzahl der zum Nachweis notwendigen Probenahme ist in Abhängigkeit der Anlagengröße definiert. Im ersten Betriebsjahr muss für alle Anlagengrößen stets eine relativ hohe Anzahl an Probenahmen/Messungen durch­geführt werden, die in den Folgejahren vermindert werden kann, falls die Marge von 80% bei jeder Probenahme eingehalten wurde. Beispiel: Eine Abwasserreinigungsanlage > 50.000 EW muss mindestens 24 Proben pro Jahr im ersten Jahr entnehmen und  -  sofern die geforderte Reinigungsleistung eingehalten wurde - mindestens 12 Proben ab dem zweiten Jahr. Wurde die Einhaltung nicht erfüllt, gilt für das Folgejahr wieder die hohe Anzahl an Probenahmen des ersten Betriebsjahres. Grundsätzlich gilt die Einhaltung einer Reinigungsleistung von größer gleich 80% für jede einzelne Probenahme, wobei in Abhängigkeit der jährlichen Gesamtanzahl aber gewisse Abweichungen zulässig sind. Beispiel: Bei einer jährlichen Gesamtanzahl von 8-16 Probenahmen wären 2 Proben mit einer Reinigungsleistung < 80% tolerierbar.

VSA-Empfehlung "Zu behandelnde Abwassermenge und Redundanz von Reinigungsstufen zur Entfernung von Mikroverunreinigungen"

Die VSA-Empfehlung "Zu behandelnde Abwassermenge und Redundanz von Reinigungsstufen zur Entfernung von Mikroverunreinigungen" (LINK), erarbeitet durch das Projektteam des VSA, ist mit einem Aufruf zur Eingabe von Stellungnahmen veröffentlich worden. Die Empfehlungen basieren auf dem Bericht "Dimensionierungswassermenge und Redundanzen von Stufen zur Elimination von Mikroverunreinigungen: Grundlagen" (LINK), erarbeitet von Holinger AG und Hunziker-Betatech AG im Auftrag des VSA. Das Projekt wurde 2012 gestartet, da die Frage aufkam, ob Reinigungsstufen zur Elimination von organischen Spurenstoffen auf die maximal behandelte Abwassermenge ausgelegt werden sollen oder ob ein Teil des biologisch gereinigten Abwassers an diesen Stufen vorbeigeleitet werden kann. Gleichzeitig sollte auch geklärt werden, welche Anlagenverfügbarkeit notwendig ist. Hier der Link zu den Seiten der VSA.

Die sauberste ARA der Schweiz

Nach zwei Jahren Bau- und Testphase wird Ende September in Herisau die schweizweit erste Abwasserreinigungsstufe mit Pulver-Aktivkohle (PAK) eingeweiht. Diese entfernt auch kleinste Stoffteilchen – sogenannte Mikroverunreinigungen - von Körperpflegeprodukten, Medikamenten sowie chemische Verbindungen der Textilindustrie aus dem Abwasser. Derzeit sind in der Herisauer ARA Bachwis bis über den Sommer hinaus Tests im Gange, zum Beispiel zu welcher Zeit welche Menge Pulver-Aktivkohle am besten wirkt. Die Eröffnung der PAK-Stufe mit einem Tag der offenen Tür für die Bevölkerung findet am Samstag, 26. September, statt. Der Kostenrahmen von 4,7 Mio. Franken +/- 10 Prozent dürfte eingehalten werden können. Der bewilligte Gemeindeanteil von 1,75 Mio. Franken wird wohl sogar tiefer ausfallen, da neu auch der Bund infolge einer Gesetzesänderung einen Anteil an die in der Schweiz zu bauenden Reinigungsstufen beisteuert. (Quelle: appenzell24.ch Eintrag vom 22. Mai 2015)

Schweiz: Erste Reinigungsstufe zur Entfernung von Spurenstoffen offiziell in Betrieb gegangen

In Dübendorf im Schweizer Kanton Zürich ist die schweizweit erste Reinigungsstufe zur Entfernung von Mikroverunreinigungen aus dem Abwasser eingeweiht worden. Die neue Reinigungsstufe der Abwasserreinigungsanlage (ARA) Neugut laufe nach einer Erprobungsphase seit März im Vollbetrieb, teilte der Kanton Zürich mit. Damit habe sie durch fachliche Unterstützung des Wasserforschungsinstituts Eawag und finanzielle Unterstützung des Kantons eine Pionierrolle übernommen. Die Anlage zur Abwasser-Ozonung in Dübendorf ermögliche das Sammeln von Langzeiterfahrungen, die in die Planung und den Bau weiterer solcher Stufen in anderen ARA einfließen könnten. Wie der Kanton weiter ausführte, sollen in der Schweiz etwa 100 bis 120 ausgewählte ARA mit einer vierten Reinigungsstufe ausgestattet werden. Rund 40 davon lägen voraussichtlich im Kanton Zürich. Dies habe der Bund mit den Kantonen vereinbart. Insbesondere sehr große ARA, größere ARA im Einzugsgebiet von Seen und ARA an Flüssen und Bächen mit hohem Abwasseranteil sollen künftig weniger Mikroverunreinigungen in die Gewässer einleiten. Die entsprechende Änderung des Gewässerschutzgesetzes hätten die eidgenössischen Räte in der Frühjahrssession 2014 angenommen. Die dazu gehörende Verordnung tritt voraussichtlich 2015 in Kraft, erklärte der Kanton Zürich. Die Gesamtkosten zur Ergänzung der Abwasserreinigungsanlagen betragen im Kanton Zürich in den nächsten 20 Jahre rund 300 Millionen Schweizer Franken (etwa 249 Millionen Euro), erklärte der Kanton. Davon müssten die Anlagenbetreiber gut 70 Millionen Franken (etwa 58 Millionen Euro) selbst tragen. Generell würden 75 Prozent der Investitionen in den ausgewählten ARA über eine gesamtschweizerische, bis zum Jahr 2040 befristete Abwasserabgabe von maximal neun Franken (etwa 7,46 Euro) pro Jahr und Einwohner gedeckt. Die verbleibenden Erstellungskosten sowie die Betriebskosten der neuen Reinigungsstufe würden über kommunale Abwassergebühren finanziert. Der Finanzierungsvorschlag beruhe weitgehend auf dem Verursacherprinzip, da alle Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz mit der Nutzung chemischer Produkte zur Belastung durch Mikroverunreinigungen beitrügen, so der Kanton. (Artikel vom 10.9.2014 aus den Online-Seiten der EUWID).