Verminderung durch dezentrale Maßnahmen

Eine Möglichkeit zur Verringerung des Mikroschadstoffeintrags an der Quelle, stellt die Errichtung dezentraler Maßnahmen an Hotspots des Mikroschadstoffeintrags dar. Solche Hotspots können beispielsweise indirekt- oder direkt einleitende Industriebetriebe sein oder Einrichtungen des Gesundheitswesens, in denen ein hoher Arzneimittelverbrauch vorherrscht. 

Dezentrale Maßnahmen in Betrieben

In manchen Produktionsprozessen ist es (vorerst) nicht möglich den Einsatz von Mikroschadstoffen vollständig zu vermeiden, zum Beispiel weil es keine adäquaten Substitutionsprodukte gibt. In solchen Fällen kann stattdessen die Errichtung dezentraler Eliminationsmaßnahmen erfolgen, um den Eintrag der Schadstoffe in den Wasserkreislauf dennoch zu unterbinden.

Zu verstehen ist hierunter die Errichtung von Abwasserreinigungsanlagen, die das Produktionsabwasser vorbehandeln, bevor es in das kommunale Abwassersystem geleitet wird bzw. vollständig reinigen, bevor es in den Vorfluter geleitet wird.

Im Abschlussbericht „Reine Ruhr“ heißt es, dass solche Maßnahmen in den vergangenen Jahren bei rund 80 direkt- und indirekt einleitenden Firmen, größtenteils auf freiwilliger Basis, umgesetzt wurden.

Dezentrale Maßnahmen in Gesundheitseinrichtungen

Das Abwasser von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen wird in den meisten Fällen ohne Vorbehandlung über das Kanalnetz zur zentralen Behandlung in die kommunale Kläranlage eingeleitet. Die Einstufung von medizinischen Einrichtungen als Punktquelle des Eintrags von Arzneimitteln in kommunale Abwässer ist unbestritten. Für einzelne Substanzen (z.B. Röntgenkontrastmittel) kann der Anteil des Eintrags aus medizinischen Einrichtungen am Gesamteintrag der Kläranlage bei nahezu 100% liegen. Für andere Substanzen (z.B. das Analgetikum Diclofenac) ist der Anteil des Krankenhausabwassers am Gesamteintrag dagegen deutlich geringer. Dies lässt darauf schließen, dass der Haupteintrag aus kommunalen Abwässern stammt. Ähnlich ist die Situation für Pflegeeinrichtungen zu beschreiben.

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass das Abwasser in NRW nicht durch die alleinige Errichtung von dezentralen Kläranlagen an jedem Krankenhaus von der Gesamtfracht der Arzneimittel befreit werden kann. Dennoch kann vereinzelt die Errichtung dezentraler Anlagen sinnvoll sein.

In NRW verfügen zurzeit das Marienhospital in Gelsenkirchen und das Kreiskrankenhaus Waldbröl über eine Krankenhauskläranlage. In beiden Fällen ist am Krankenhaus ein Membranbelebungsreaktor mit einer nachgeschalteten Ozonung installiert worden. In Gelsenkirchen kann das Abwasser zusätzlich noch mittels PAK und Sandfilter behandelt werden. Beide Kläranlagen erreichen Ablaufwerte, die mit klassischen Kläranlagenablaufwerten vergleichbar sind und ermöglichen eine deutliche Reduzierung der Mikroschadstofffrachten im Abwasser.